Bahnfahren mit Buddha

“Puh ist das heiß!”, ruft der Lokführer der alten Dampflok, während die selbige sich schnaufend mit ihren Wagons durch die Landschaft schiebt. Die vielen Gäste in den Wagons, sie genießen Kaffee und Tee mit Gebäck und sind ganz sie selbst. Lachend und schwatzend wie immer, während der Kohlenschipper schuftet.

Und plötzlich: “QUIETSCHKRACHBUMMS!”

Eine Weiche wurde versehentlich falsch gestellt und mehrere Waggons springen aus dem Gleis. “Oh schreck, oh weh! Nicht das noch!”

Aus lauter Mitgefühl tritt Buddha auf den Plan. “Tja Jungs. An dem was geschehen ist kann ich so schnell nichts ändern – aber doch, ich habe eine Idee. Ihr seid alle wie ich und deswegen seid ihr eingeladen in ruhiger und gelassener Haltung mit mir zusammen zu atmen. Einfach nur das.”

“Ach hör doch auf!”, rufen einige. Andere brüllen regelrecht: “Verschwinde, sonst steinigen wir dich!” Fast hätten sie ihn somit wieder verjagt; bis er es ihnen einfach vormachte. Er setzte sich hin, auf eine Schwelle des Bahngleises und atmete tief ein. So wurde er seines Atems gewahr. Viele nannten ihn verrückt, als er das tat. Und einige, die taten es ihm gleich.

Und so sitzen und atmen sie noch heute; an jenem Bahngleis. Können sie sie sehen? Nein? Ich auch nicht.

Aber in “Soheit”, oder anders in “Sich so sein lassen”, da entspannt sich etwas, “von ganz tief drinnen”.

Und es ist so einfach: Hinsetzen – irgendwo anlehnen (vielleicht auch im Schneidersitz), an einer Raststätte bei einer Reise, während einer Pause bei der Arbeit oder beim Warten am Bahnhof.

Einatmen und dann alles sein lassen.
Kein Sehen, kein Hören, kein Riechen, kein Schmecken.

Und so geben sie sich hin – ihrem Erleben. Einfach so. Stille und Gewahrsein breiten sich aus – mit ihnen. Friede öffnet leise seine Türen. Und nach einer Weile können sie sich immer wieder und immer tiefer an diese Stille und diesen Ort, der mit ihnen ist erinnern. Mal mehr, mal weniger. Helfen tut es allemal und ganz ehrlich: für manche, da wird es wie zu einer zweiten Wirbelsäule.

So möchte ich sie einladen. Probieren sie es einfach aus. Alleine, mit ihren Liebsten oder in einer Gruppe.

So stellt sich nicht nur der Wagon fast wie von alleine wieder auf, auch die Gäste, also ihre Gedanken, sie dürfen sich weiter erfreuen. An einer Bahnfahrt in einem Wagon mit Kaffee und Tee; und dabei die schöne Aussicht genießen.

Die Fahrt darf weiter gehen. In ihrer Dampflok.

Also dann, gute Reise wünsche ich ihnen.

Namaste. Ihr,

 

 

PS: Was macht der Kohlenschipper eigentlich?


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